Der Stadtturm von Buchen. Ansicht von der Marktstraße.
Von Mosbach nach Tauberbischofsheim. 16. Juli 2026 (80 km)
Streckenführung Komoot:
Streng genommen liegt das von wertvollen Fachwerkbauten geprägte Mosbach nicht am Neckar, sondern an der Elz. Station für Radler ist zunächst das direkt am Radweg gelegene Niederelz. Wer in die Mosbacher Altstadt will, hält sich links und fährt das malerische Flüsschen entlang bis zum Ziel. Alles ist sehr gut ausgeschildert, man kann eigentlich nichts falsch machen.
Man kann die einst kurpfälzische Residenzstadt Mosbach mit ihrer rund 1200-jährigen Geschichte durchaus als „Tor“ nach Franken bezeichnen. Denn von dort geht es zunächst durchs „Madonnenländchen“ (woher der Name kommt, sieht man auf der Strecke) über Mudau und Buchen nach Tauberbischofsheim im baden-württembergischen Teil Frankens.
Zugegeben: Bei der Planung der Tour hatte ich schon etwas Bedenken. Das Höhenprofil für diesen Teil des Odenwald-Madonnen-Radwegs ließ auf einen langen, anstrengenden Tag schließen. Und ich überlegte bereits, am Neckar zu bleiben, in Richtung Bad Friedrichshall zu fahren und dann Tauberbischofsheim über einen Umweg zu erreichen (diese Strecke kannte ich noch von meiner Tour 2022). Wer dann alles in der Realität sieht, wird schnell erkennen, dass solche Überlegungen wenig Sinn ergeben. Der direkte Weg nach Buchen ist nämlich sehr schön. Die ursprünglich erwartete Tortur fiel aus.
Auch wenn etwa 350 bis 400 Höhenmeter zu bewältigen sind, kann man das Ganze leicht ohne Motorunterstützung schaffen, auch wenn es fast durchweg bergauf geht. Radler sind nämlich auf der Trasse einer ehemaligen Schmalspurbahn unterwegs, die nach Mudau führt. Die sogenannte „Wanderbahn“ war 1905 in Betrieb genommen worden und fuhr bis Anfang Juni 1973. Den Radweg auf der ehemaligen Trasse gibt es bereits seit 1980. Kleine Stationen an der Strecke laden „Selbstversorger“ zur Rast ein.
Lange war nicht spürbar, dass es ein heißer Tag werden würde. Führt doch der Weg nach Buchen durch den Naturpark Neckartal-Odenwald – und damit streckenweise durch dichte Wälder. Die Qualität des Radwegs ist hervorragend. Der Weg nach Buchen führt zum größten Teil über asphaltierte Trassen – und wenn nicht: Die Wanderwege in den Wäldern sind auch mit Tourenrädern größtenteils gut befahrbar. Erst als ich mich der Zwischenstation Buchen näherte, spürte ich, wie heiß es inzwischen geworden war. Die Temperaturen sollten auch an diesem Tag die 30-Grad-Marke erreichen. Von einem „Höllentag“ konnte dennoch nicht die Rede sein. Im Laufe des späten Nachmittags wurde der Himmel grau, der Resttag verlief also erträglich, weil es deutlich abkühlen sollte.
In der Mittagszeit kam ich in Buchen an. Ich verzichtete aufs Mittagessen, das Frühstücksbüffet wirkte noch. Aber ein Kristallweizen musste sein, bevor es weiter Richtung Tauberbischofsheim geht.
Auch wenn meine Sommertour 2026 durch Dutzende hübscher Kleinstädte führte und es kaum möglich ist, eine Rangliste der schönsten Orte zu erstellen, hat Buchen bleibende Eindrücke hinterlassen. Das Städtchen hat einen malerischen historischen Ortskern und ist nicht überlaufen. Trotz Hauptsaison schien das Leben hier sehr gemütlich zu laufen.

Das ursprünglich kurmainzische Buchen hat, wie Mosbach, ebenfalls eine rund 1200-jährige Geschichte. Bekannt geworden ist die Stadt durch eine Szene aus den Bauernkriegen: Hier schloss sich der Reichsritter Götz von Berlichingen, dem Goethe bekanntlich ein Drama gewidmet hat, den aufständischen Odenwälder Bauern an und übernahm unter deren Druck die Führung des „evangelischen Heeres“. In den Kämpfen sollte Ritter Götz eine Hand verlieren. Sein Leben endete unter Arrest in der im Neckartal gelegenen Burg Hornberg, die ihm gehörte.
In Buchen beginnt der zweite Abschnitt der Tour nach Tauberbischofsheim (umgekehrt ist die Strecke die erste Etappe des Odenwald-Madonnen-Radwegs). Auch diese Teiletappe ist gut befahrbar, führt aber oft an Straßen entlang. Auch entfällt der Schutz des Waldes. Ein Navi braucht man auch hier nicht, die Beschilderung ist gut, Radler landen sicher im an der Romantischen Straße gelegenen Tauberbischofsheim.
Auch entlang der zweiten Teiletappe gibt es einiges zu sehen. Sie führt zunächst nach Walldürn, dann nach Hardheim und schließlich über Königheim ans Ziel. Auch hier gibt es eine reiche Baukultur. Ich gebe zu, dass ich an diesem heißen Tag keine Lust auf Zusatzrunden hatte, um die malerischen Stadt- und Ortskerne zu erkunden. Wer jedoch plant, mehrere Tage in Tauberfranken zu verbringen und mit dem Auto unterwegs ist, sollte das unbedingt tun.
Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke erreichte ich schließlich Tauberbischofsheim. Markenzeichen der Kreisstadt mit ihren rund 13.500 Einwohnern ist die historische Altstadt samt der erhaltenen Stadtmauer. Auch die Geschichte dieser ehemals kurmainzischen Stadt beginnt im 8. Jahrhundert. Bekannt geworden ist sie jedoch nicht durch ihre reiche Geschichte, sondern durch ihre Rolle als Fechthochburg. Und für Radler ist sie eine wichtige Station des Taubertal-Radwegs. Doch mich interessierte vor allem eine Frage: Wo gibt es Bier? Ich hatte richtig Durst, und da ist der Gerstensaft nun mal das Beste, weil darin fast alles enthalten ist, was man braucht. Sportlergetränke? Nicht mit mir.

In der Innenstadt habe ich übrigens trotz frühzeitiger Vorbereitung keine preislich moderate Unterkunft gefunden. Ich landete schließlich im Stadtteil Dittigheim und dort im Gästehaus „Niki“. Ein Glücksfall, man hatte mir das beste Zimmer zugewiesen – ein Doppelzimmer mit einem riesigen Balkon. Gegessen habe ich im „Gasthaus Engel“, das einen schönen Biergarten hat. Auch hier hatte ich Glück: Es gab noch Platz, normalerweise muss man vorbestellen. Eine Alternative wäre der Landgasthof „Grüner Baum“ gewesen, doch der hatte an diesem Tag geschlossen. Wie dem auch sei: Der „Engel“ wird Freunde gutbürgerlicher Küche sehr positiv stimmen.
