Der Naumburger Dom.
Von Weimar nach Naumburg, 23. Juli 2026 (69,4 km)
Streckenführung via Komoot: Weimar-Naumburg
Auch die heutige Etappe war mit Bedacht geplant worden, stand doch ein Teil des Saale-Radwegs auf dem Programm. Dieser gehört zwar zu den schönsten Strecken, die man in Deutschland fahren kann, allerdings sind die Herausforderungen größer als diejenigen, die man von anderen Flusstälern gewohnt ist. Ständig geht es bergauf und bergab. Gern gebe ich zu, dass ich die Etappe mit einem normalen Tourenrad nicht geschafft hätte. Inzwischen hatte auch mein linkes Knie signalisiert, dass irgendetwas nicht stimmte …
Wer in Weimar losfährt und Naumburg als Ziel hat, kann zwei Varianten wählen. Die erste, etwas kürzere, führt über die Glockenstadt Apolda; man erreicht die Saale dadurch etwas später. Diese Teiletappe kenne ich noch von früheren Touren. Ich entschied mich deshalb für die zweite Variante, die über Jena direkt an die Saale führt. Nach rund 24 unspektakulären Kilometern ist das Zwischenziel erreicht.

Über Jena gibt es ein Vorurteil: Die Stadt sei hässlich. Man erinnert sich wohl hauptsächlich an die tristen Wohnblocks aus DDR-Zeiten, die den Blick von der Autobahn prägen. Das Vorurteil ist quasi durch die Windschutzscheibe entstanden. Die Wissenschaftsstadt mit ihren rund 110.000 Einwohnern wird von Unternehmen wie der Carl Zeiss AG, Jenoptik und Schott geprägt. Zudem prägen die Studierenden der traditionsreichen Friedrich-Schiller-Universität das lebendige Stadtbild.

Weiter ging es durchs Saaletal, genauer gesagt um den Abschnitt, der auch vom Weinbau geprägt wird. Fast überall gibt es etwas zu entdecken. Kurz vor Bad Kösen rücken Saaleck und die Rudelsburg ins Blickfeld. Der Ort, heute wie Bad Kösen ein Stadtteil von Naumburg, und die Burg werden in einem bekannten Studentenlied besungen und erfreuen sich entsprechender Bekanntheit.
Nach 56 Kilometern stellt sich Radreisenden eine ganz spezielle Frage: Wie fahren wir weiter? Die letzten fünf Kilometer nach Bad Kösen verlaufen entlang einer stark befahrenen Bundesstraße. Gefährlich ist das nicht, aber unschön. Die Alternative: der Umweg über die Rudelsburg. Das bedeutet allerdings eine weitere steile Steigung. Wohl dem, der ein E-Bike fährt! Also nichts wie rauf zur Burg, die seit dem Dreißigjährigen Krieg eine Ruine ist und im Zuge der Burgenromantik des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde. Oben bietet sich neben einem spektakulären Blick aufs Saaletal auch eine Einkehrmöglichkeit – die an diesem Tag jedoch Ruhetag hatte.

Die Rudelsburg hatte im Laufe ihrer Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, mehrere Eigentümer. Heute gehört sie zu großen Teilen dem Land Sachsen-Anhalt und wird von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt verwaltet.
Oben angelangt, stellt sich die nächste Frage: Wie kommt man wieder hinunter? Umkehren war keine Option – getreu dem Motto: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“. Also weiter zum nur wenige Meter entfernten Löwendenkmal, das an die 2.360 im Ersten Weltkrieg gefallenen Kösener Korpsstudenten erinnert. Dahinter führt der Weg steil bergab in den Wald. Auf den ersten 500 Metern empfiehlt es sich dringend zu schieben: Fels, Geröll und Wurzeln verlangen volle Konzentration. Ein Teilstück ist aus meiner Sicht unfahrbar – schon beim Schieben muss man höllisch aufpassen. Nach einer kurzen Abfahrt über befestigte Waldwege gelangt man schließlich direkt an die Saale und damit nach Bad Kösen, bekannt für sein Solebad und das historische Gradierwerk.

Auf dem Saale-Radweg ging es weiter nach Naumburg, der Kreisstadt des Burgenlandkreises. Abgesehen von einer Baustelle verlief die Fahrt ohne Zwischenfälle. Ich erreichte schließlich den Bahnhof und das dortige Center Hotel Kaiserhof. Wieder bekam ich zu sehr günstigen Konditionen ein Doppelzimmer zur Einzelnutzung; das Frühstücksbuffet musste separat hinzugebucht werden. Die Lage ist ausgezeichnet: Direkt vor der Tür fährt die Straßenbahn in Richtung Alt- und Innenstadt ab.

Am späten Nachmittag zeigte sich die Sonne wieder – eine willkommene Gelegenheit, die herausgeputzte Altstadt zu erkunden. Für eine Dombesichtigung war es bereits zu spät, was ich jedoch verschmerzen konnte: Das Innere des Gotteshauses mit den Werken des berühmten Naumburger Meisters hatte ich noch in bester Erinnerung. Stattdessen kehrte ich im örtlichen Braugasthaus ein – eine gute Wahl. Draußen sitzen mochte ich nicht mehr, denn es wurde empfindlich kühl – und das ausgerechnet zum Auftakt der Hundstage.
