Schloss Köthen und das Stadtzentrum. Foto: Henrik Bollmann/Kulturstiftung Sachsen-Anhalt/Wikipedia
Von Naumburg nach Köthen. 24. Juli 2026 (98,4 + 22 km)
Streckenführung via Komoot: Naumburg-Köthen
Nur noch eine Etappe, dann waren die Mindestanforderungen erfüllt. Ich musste zügig nach Köthen kommen, denn ab 17 Uhr wollte ich an einem dreitägigen Fest im Strandbad Gerlebogk in Könnern teilnehmen – was zusätzliche Kilometer bedeutete. Der Plan sah vor, bis 15 Uhr in der Pension Lien einzuchecken. Das klappte auch, wenn auch mit 20 Minuten Verspätung. Für längere Aufenthalte oder Besichtigungen blieb keine Zeit.
Los ging es pünktlich um 9 Uhr. Für den Tag waren wieder deutlich wärmere Temperaturen angekündigt, und schon am Morgen schien die Sonne. Vom Hotel ging es direkt zurück auf den Saaleradweg, dem ich bis Weißenfels folgte. Dort – inzwischen in Sachsen-Anhalt angekommen – steht man vor der Wahl: entweder der kürzeste Weg nach Halle oder die Route über Bad Dürrenberg entlang der Saale. Da ich die Gegend kenne, entschied ich mich für die direktere Variante nach Merseburg.

Die Strecke ist reizvoll: Rund 26 Kilometer hinter Naumburg wird sie von einer Seenlandschaft geprägt, die nach dem Ende des Braunkohleabbaus entstanden ist. Das Naturschutzgebiet vor den Toren Merseburgs ist absolut sehenswert. Merseburg selbst erreichte ich nach Plan. Um keine Experimente zu wagen, wählte ich den Radweg entlang der Bundesstraße – landschaftlich sicher nicht die schönste Option, aber verlässlich. Wieder ging es bergauf. Südlich von Halle passiert man die Mündung der Weißen Elster in die Saale, wo auch Anschluss an den Elster-Radweg besteht.
Ich blieb auf der Straße, erreichte schließlich wieder das Saaleufer und fuhr auf diesem landschaftlich schöneren Teilstück in die Altstadt von Halle ein. Im Vergleich zu den bisherigen Stationen meiner Tour wirkt die Stadt riesig: Rund 226.000 Einwohner – das ist schon eine Nummer. Entsprechend lebendig geht es zu. Bereits zur Mittagszeit herrschte in der Gastronomie reger Betrieb; die weitgehend restaurierte Alt- und Innenstadt zieht spürbar Menschen an.

Um Halle wirklich zu erkunden, hätte man deutlich mehr Zeit gebraucht. So beließ ich es bei einem Mittagessen beim Vietnamesen, bevor es weiter Richtung Köthen ging. Die Landschaft wurde weiter und flacher. Die Fahrt hätte entspannt sein können, wäre da nicht eine riesige Baustelle gewesen. Die ausgeschilderte Umleitung entpuppte sich als Zumutung für Radler: holprige Waldwege, ruppiges Kopfsteinpflaster und verwinkelte Dörfer. Hätte ich bloß die Straße genommen! Es rüttelte gewaltig, und ich bangte um mein Hinterrad, das – abgesehen von einer gelockerten Speiche – glücklicherweise durchhielt.
Schließlich erreichte ich Köthen. Die Kreisstadt besitzt einen beachtlichen Bestand an historischen Gebäuden und wird von einem markanten Schloss im Zentrum geprägt. Trotz ihrer knapp 24.000 Einwohner wirkt die Stadt ruhig – fast schon zu ruhig. Die traditionellen deutschen Gaststätten fielen an diesem Freitagabend vor allem durch zwei Dinge auf: Betriebsferien oder die Unart, Alleinreisenden keinen Platz anzubieten, obwohl reichlich Tische frei waren. Alles „reserviert“, hieß es von der Servicekraft, die zudem betonte, dass der Innenbereich gar nicht bewirtschaftet werde. So landete ich – wie so oft – beim Italiener.
Es sollte der letzte Abend der Reise werden, denn die Tour endete abrupt. Bei der Rückkehr in die Pension waren die Knieschmerzen unerträglich geworden; es ging nichts mehr. Ein Glücksfall, dass in derselben Unterkunft Freunde abgestiegen waren, die ebenfalls das Afuera-Festival in Gerlebogk besuchten. Am Sonntag wanderte mein Rad in einen Transporter und ich in einen nicht ganz alltäglichen Pkw. Am Abend war ich bereits wieder in Koblenz. Bei einem gemeinsamen Dankesessen für meine Retter klang die Reise aus.
Gerne wäre ich noch weiter über Wernigerode bis nach Hannover gefahren – mindestens. Die optionale Verlängerung war bereits gebucht. Doch es hat nicht sollen sein.
