Blick in die Weißer Gasse in Richtung Ost.
Weißer Gasse
Die in West-Ost-Richtung verlaufende Weißer Gasse gehörte zu den ersten Straßen, die außerhalb des spätantiken Stadtkerns angelegt wurden. Die Geschichte der Straße im westlichen Teil der mittelalterlichen Stadterweiterung dürfte bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Sie hat ihren Namen wohl vom moselaufwärts gelegenen früheren Nachbardorf und heutigen Stadtteil Moselweiß. Die Straße verband den Altstadtkern mit dem seit 1473 bekannten und 1812 abgebrochenen Weißer Tor.

Dominikanerkloster und Klosterkirche
In der Mitte der Weißer Gasse lag bis zur fast vollständigen Zerstörung von 1944 ein kleiner Platz, der zum einstigen Dominikanerkloster und dem dazugehörigen Friedhof führte. Dieses Kloster wurde im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts von den Dominikanerbrüdern gegründet. Die von zwei Bränden beschädigte, 1233 geweihte Klosterkirche hatte erst 1441 ihre endgültige Form angenommen.
Die schlanke dreischiffige und zehnjochige Basilika von 50 Metern Länge und 17,5 Metern Breite war dennoch einer der frühesten gotischen Bauten des Rheinlandes. Kirche und Klosteranlage brannten nach den Bombardements von 1944 bis auf die Umfassungswände aus; diese wurden zwischen 1955 und 1959 abgebrochen. An den Chor der Kirche erinnern noch die Fundamente auf dem Hof der heute auf dem Gelände befindlichen Clemens-Brentano-Realschule, einem schlichten Neubau der frühen 1960er-Jahre.

Bassenheimer Hof und Bürgerbebauung
Ebenfalls beseitigt wurden die Reste des bis in das 16. Jahrhundert zurückreichenden Bassenheimer Hofes, der sich bis zu seiner Zerstörung 1944 auf der nördlichen Seite am Eingang der Weißer Gasse befand. Das 1745 geschaffene Portal zum Bassenheimer Hof wurde 1944 demontiert und 1962 vor dem Pfarrhof Liebfrauen am Eingang zur Florinspfaffengasse neu errichtet.
Auch die Bürgerhäuser in der Weißer Gasse wurden 1944 vollständig zerstört.

Nachkriegsentwicklung und jüngste Veränderungen
1951 erhielt die Straße einen zweiten Arm in Form einer Rampe. Diese führt seitdem zur Eisenbahnüberführung, zum Messeplatz, zum Saarplatz und an das Moselufer. Anstelle des Bassenheimer Hofes entstand das Mitte der 1960er-Jahre in Betrieb genommene Stadtbad.
Vor allem der Eingangsbereich der Weißer Gasse wurde in jüngster Zeit, in den Jahren von 2015 bis 2018, radikal umgestaltet: Das alte Stadtbad wurde abgerissen; an seiner Stelle entstanden eine Tiefgarage und die sogenannten „Weißer Höfe“ mit hochwertigen Mietwohnungen.
