Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Mithilfe von KI wurden alle Personen im Vordergrund entfernt.
Das Denkmal: Ein Wahrzeichen der Stadt
Über das Koblenzer Denkmal ist in den vergangenen Jahrzehnten bereits viel geschrieben worden. Doch erst die Dissertation des Koblenzers Dr. Hans-Jörg Jechel aus dem Jahr 2010 leistet das, was für eine vernünftige Bewertung Voraussetzung ist: die Einordnung in den großen geschichtlichen Zusammenhang. Denn das Koblenzer Reiterstandbild, das von Anfang an Kaiser Wilhelm I. und seinen Leistungen im Zuge der Reichsgründung gewidmet war, steht nicht allein. Es ist eines von insgesamt 59 Wilhelm-Reiterstandbildern im Gebiet des Deutschen Kaiserreichs, von denen nur 13 im Original erhalten sind. Dieser „Schwund“ ist vor allem auf die Kriegszerstörungen und Demontage zurückzuführen.
Auch das Koblenzer Monument hat eine Vorgeschichte, die Hans-Jörg Jechel in seinem zweibändigen Werk „Kaiser Wilhelm I. Reiterstandbilder“ minutiös beleuchtet. Sie beginnt – wie bei den meisten vergleichbaren Denkmälern auch – mit dem Tod des Monarchen am 9. März 1888. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Der Kaiser hatte es untersagt, dass zu seinen Lebzeiten Denkmäler errichtet werden, die seine Leistungen würdigen. Als sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. nach nur 99-tägiger Regentschaft am 15. Juni an Kehlkopfkrebs starb, forcierte der Enkel den Kaiserkult.
Wilhelm II. sah im Kult um seinen Großvater die Chance, das Gefühl von Kontinuität und Stabilität zu vermitteln. Denn trotz der wirtschaftlichen Erfolge wuchsen die sozialen Spannungen. Außenpolitisch standen die Zeichen angesichts des zerrütteten Verhältnisses zwischen dem jungen Kaiser und Bismarck auf Konfrontation.
In Koblenz selbst beginnt die Geschichte des Kaiserdenkmals noch zu Lebzeiten Friedrichs III. Schon am 13. April 1888 beschlossen die Koblenzer Stadtverordneten, ein Standbild für Wilhelm I. vor dem Kurfürstlichen Schloss zu errichten. Für den Bau wollte die Stadt den für damalige Verhältnisse stolzen Betrag von 30.000 Mark stiften. Ferner wurde eine 14-köpfige Denkmalkommission eingerichtet, der neben Adligen auch Industrielle und kirchliche Würdenträger angehörten.
Der nächste Schritt: Am 9. Juni 1888 beantragte man beim Provinziallandtag in Düsseldorf, ein Kaiserdenkmal in Koblenz zu errichten. Denn die politischen Hintergründe waren nicht zu unterschätzen. Zum einen bedurfte es der Finanzierung durch die Rheinprovinz, zum anderen zeichnete sich früh ab, dass auch andere Städte ein solches Monument haben wollten, das Prestigeobjekt und Alleinstellungsmerkmal war. In Koblenz selbst kamen schon früh Zweifel daran auf, ob der gewählte Standort vor dem Schloss der richtige war. Vor allem Emil Schüller (1843–1900) blieb skeptisch. Der damalige Oberbürgermeister veröffentlichte, so Hans-Jörg Jechel, unter dem Pseudonym „Irenäus“ eine Broschüre, in der er einen Standort am Deutschen Eck – das seinen Namen nicht vom späteren Denkmal, sondern von der Niederlassung des Deutschen Ordens hat – ins Spiel brachte. Denn das Monument sollte aus seiner Sicht in exponierter Lage entstehen, um alle Rheinländer zu begeistern. Es gab allerdings einen Haken: Die Stadtbefestigung stand dem Vorhaben noch im Wege. Erst nach der grundsätzlichen Entscheidung für deren Aufgabe am 13. März 1889 sollte der Weg frei sein.
Die Einweihung des neuen Denkmals unter Teilnahme von Kaiser Wilhelm II. am 31. August 1897. Foto: Stadtarchiv Koblenz/Wikipedia (gemeinfrei).
Hitzige Debatte im Landtag
Vor und hinter den Kulissen spitzte sich die Lage zu. Denn diejenigen, die Koblenz als nicht geeignet betrachteten, hatten im Provinziallandtag mächtige Fürsprecher. Man bedenke: Als Hauptstadt der Rheinprovinz war die Rhein-Mosel-Stadt bedeutenderen Zentren wie Köln, Düsseldorf und Aachen übergeordnet. Am 11. Dezember 1890 stimmten nach heftigen Diskussionen 138 Mitglieder des Landtages ab. Ergebnis: 54 Stimmen für einen Standort im Siebengebirge, 53 für Koblenz und weitere 32 für das Deutsche Eck. Eine klare Entscheidung sah anders aus. Schließlich sprach sich Wilhelm II. für den Standort am Zusammenfluss von Rhein und Mosel aus. Eine entsprechende Verfügung folgte am 16. März 1891.
Nach der grundsätzlichen Entscheidung des Kaisers musste zunächst einmal ein Problem gelöst werden. Am Wunschstandort gab es nur die „Hundsschwanz“ genannte Sandbank und ein kleines Hafenbecken, das nach der Verbindung von Sandbank und Moselufer durch einen Steindamm Ende der 1870er-Jahre entstanden war. Zufrieden war mit der Lösung niemand. So hatte, das hat Stadtarchivar Hans Josef Schmidt herausgefunden, der Ingenieur und Brauereitechniker Krudewig bereits 1874 angeregt, den gesamten Bereich zuzuschütten und ein neues Wohngebiet zu errichten. Immerhin ging es um eine Fläche von rund 5 Hektar. Im Januar und Februar 1891 wurde das Hafenbecken zugeschüttet – obwohl es noch keine Planung gab. Diese folgte, nachdem der Provinzialausschuss am 22. März 1892 einen Wettbewerb ausgelobt hatte, an dem nur deutsche Architekten teilnehmen konnten.
Die künstlerischen Details des Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Deutschen Eck in Koblenz schuf der Bildhauer Emil Hundrieser.
Bruno Schmitz setzte sich durch
Am Ende gingen 26 Entwürfe ein, von denen 15 gewertet wurden. Der erste Preis für den Entwurf „Rheinstein“ ging an Bruno Schmitz (1858–1916), den wohl bedeutendsten deutschen Denkmalarchitekten seiner Zeit, und den Bildhauer Emil Hundrieser (1846–1911). Im Dezember 1892 wurde der Entwurf vom Provinziallandtag angenommen. Im Mai 1894 lagen die überarbeiteten Entwürfe vor. War ursprünglich von einem bronzenen Reiterstandbild mit einer Höhe von 12 Metern die Rede, wurde schließlich wegen der Proportionen auf 14 Meter erhöht. Aus statischen Gründen und wegen der ständig steigenden Kosten machte Emil Hundrieser schließlich den Vorschlag, das Standbild nicht aus Bronze gießen, sondern es von der Firma Georg Howaldt in Braunschweig in Kupfertreibarbeit herstellen zu lassen.
Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1896 mit der Fundamentierung der Ufermauer auf 350 Meter, nachdem ein Abwasserkanal verlegt worden war. Zwischen Spundwänden wurde eine 3,30 Meter hohe Betonschicht gegossen, die auf festem Kies aufgelagert war. Insgesamt wurden, so Hans-Jörg Jechel, 3400 Kubikmeter Beton und 15.000 Kubikmeter Kies verarbeitet.
Nachdem die Bodenplatte des Denkmalmittelbaus fertiggestellt war, wurde auf ihr der 16 Meter hohe Unterbau der Pfeilerhalle aus Ziegelstein errichtet.
Die Beispiele zeigen: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal mit seiner Gesamtfläche von 11.238 Quadratmetern ist kein Monument, das komplett aus Naturstein besteht. Es wurde überwiegend mit Platten aus Schwarzwälder Granit verblendet. Das Denkmal wird somit zum Meisterwerk der damaligen Ingenieurskunst, das bis heute den schwierigen Strömungsverhältnissen trotzt.
Das Kaiserin-Augusta-Denkmal
Der Tod von Augusta Sachsen-Weimar-Eisenach am 7. Januar 1890 wurde von vielen Koblenzern mit großer Trauer aufgenommen. Hatte doch die Gemahlin des Kaisers Wilhelm I. einiges für Koblenz getan. Sie gab die entscheidenden Impulse für den Ausbau der bereits in französischer Zeit begonnenen Rheinanlagen, vor allem aber hatte sie schon früh die Notwendigkeit einer Stadterweiterung erkannt. Und: Augusta galt als liberal und trug entscheidend zur Überwindung der konfessionellen Konflikte an Rhein und Mosel bei. Die Koblenzer Stadtväter wollten ihrer Gönnerin nun ein Denkmal setzen. Ein Jahr vor der Fertigstellung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, also 1896, war das aus istrischem Kalkstein geschaffene Monument in der Verlängerung der Ludwigstraße vollendet. Für die Planungen war ebenfalls Bruno Schmitz verantwortlich. Die Bildhauerarbeiten stammen von Karl Friedrich Moest.
