Auch die Koblenzer Krankenhäuser wurden von den Bomben nicht verschont. Das evangelische Stift St. Martin und der städtische Kemperhof (Foto) meldeten empfindliche Schäden. Aus der Chronik des Kemperhofs geht hervor, dass es bereits 1940 einen Luftangriff gab. KI-koloriertes Foto des Originalbildes im Archiv des Gemeinschaftsklinikums/Kemperhof.
Krieg verschonte auch die Kliniken nicht
Rund 600.000 Menschen sind den Bombenangriffen auf das Deutsche Reich zum Opfer gefallen. Zudem hatte sich ein großer Teil der Bausubstanz in den Städten in etwa 400 Millionen Kubikmeter Schutt verwandelt. Dabei wurden 5 von insgesamt 19 Millionen Wohnungen vollständig zerstört, eine große Zahl schwer beschädigt. Koblenz gehörte zu den deutschen Städten, die im Zuge der Luftangriffe am schwersten getroffen worden sind.
Insgesamt waren im Zentrum zwischen Rhein und Mosel 54 Prozent der Gebäude völlig zerstört, weitere 33 Prozent schwer beschädigt worden. In der gesamten Stadt hatten von den 25.635 Wohnungen nur 1500 die Luftangriffe weitgehend unversehrt überstanden. Im gesamten Stadtgebiet waren bereits vor dem Einmarsch der US-Truppen 25,6 Prozent der Häuser total zerstört, 24,6 Prozent schwer und 43 Prozent leicht beschädigt worden.[1]
Auch Krankenhäuser waren zerstört
Sogar die Krankenhäuser in der Stadt hatten schwere Treffer abbekommen. Ein Grund hierfür mag sein, dass die Kliniken der Stadt nicht mit dem Roten Kreuz gekennzeichnet werden durften. Dies war nach den Bestimmungen der Genfer Konvention nur den Militärhospitälern vorbehalten. Deswegen hatte Adolf Hitler persönlich angeordnet, entsprechende Kennzeichnungen von Zivilkrankenhäusern entfernen zu lassen. Auch das traditionsreiche Bürgerhospital, das eine Kapazität von rund 300 Betten hatte, war völlig ausgebrannt.
Obwohl die meisten Koblenzer ihre Stadt verlassen hatten, gab es noch etliche Bürger, die wegen ihres Alters oder eines Gebrechens nicht mehr transportfähig waren. Für sie mussten Ausweichquartiere gefunden werden – so zum Beispiel im Horchheimer Mendelssohn-Stift. Nachdem die Einrichtung von Scharlachkranken geräumt war, lebten dort etwa 70
„zum großen Teil gehfähige Gebrechliche“.
Andere Alternativen waren im Stadtgebiet selten geworden. So hatte das Moselweißer Dominikanerinnenkloster am 23. Dezember 1944 einen Volltreffer erhalten. Das kleine Krankenhaus musste daher den Betrieb einstellen. Deswegen suchte man auch auf dem Land Ausweichmöglichkeiten, um Gebrechliche unterzubringen. So sollte das Schulhaus in Saffig dafür hergerichtet werden – obwohl das Gebäude für diesen Zweck wenig geeignet war. Auch die Leitung des örtlichen Heil- und Pflegeheims war von der Idee wenig begeistert und betonte, man sei nicht in der Lage, die betroffenen Personen zu pflegen und für sie zu kochen. Dagegen war das Bendorfer Stift bereit, eine begrenzte Anzahl von Personen aufzunehmen.
Trotz der schweren Luftangriffe blieb der Kemperhof das einzige voll funktionsfähige Krankenhaus der Stadt, zumal die Notstromversorgung mit Dieselaggregaten funktionierte. Die Einrichtung war deshalb vollständig belegt, weil sie auch 40 Kranke aus dem zerstörten Dominikanerinnenkloster aufnehmen musste. Für eine Aufnahme weiterer Pflegefälle gab es jedoch keine Kapazitäten mehr. Da auch der schwer getroffene Marienhof mit rund 15 Pflegefällen ausgelastet war, blieb das Saffiger Schulhaus weiterhin ein Thema, zumal in der Saffiger Anstalt inzwischen Personal und Hilfsmittel der Koblenzer Krankenhäuser Rizzaheim und Josefshaus untergebracht worden waren.
US-Truppen marschierten ein
Die Besetzung der einstigen Gauhauptstadt durch amerikanische Truppen begann am 17. März 1945. In den frühen Morgenstunden rückten die Soldaten von den Höhen des Stadtwaldes auf die Rheinuferstraße vor. Dann drangen sie bis zum Oberwerth und in die südliche Vorstadt vor. Zur selben Zeit setzten US-Pioniere unter Schutz künstlichen Nebels mit Sturmbooten von Güls auf die Moselweißer Seite über, wo der deutsche Widerstand zunächst nur schwach war.
Stoßtrupps der 87. Panzerdivision, die zur 3. Armee des legendären Generalleutnants George S. Patton gehörten, drangen schließlich in Moselweiß ein. Im Stadtteil kam es zu Straßengefechten mit deutschen Soldaten, wobei es mehrere Tote gab. Das konnte die Amerikaner aber nicht aufhalten. Schon um 9 Uhr standen die Stoßtrupps am Krankenhaus Kemperhof. Die Soldaten drangen zunächst in den Westbunker ein. Dort war es inzwischen dem Stadtamtmann Johannes Schmitz, dem Stadtsekretär Otto Braun und dem Verkehrs- und Hafendirektor Franz Lanters (er hatte sich gerade im Kemperhof einer Augenoperation unterzogen) gelungen, die Verteidiger von der Sinnlosigkeit des Widerstandes zu überzeugen.
Die drei Kommunalbeamten waren vom kommissarischen Oberbürgermeister Dr. Konrad Gorges – Dr. Nikolaus Simmer war infolge eines Zerwürfnisses mit dem Gauleiter an die Front abberufen worden – mit der Wahrnehmung der Interessen der Stadt beauftragt worden. Franz Lanters sprach fließend Englisch und ging mit Schmitz als Parlamentär zu den eindringenden Amerikanern.
In der Niederschrift des Hafen- und Verkehrsdirektors vom 17. März 1945 hört sich das so an:
„Heute früh um 9.20 Uhr drangen amerikanische Soldaten unter Führung eines Oberleutnants in den unterirdischen Zugang zum Ostbunker des Krankenhauses Kemperhof ein. Zusammen mit dem Amtmann Schmitz ging ich den Leuten entgegen und bat sie, nicht zu schießen. Der Leutnant frug mich, ob Soldaten in dem Bau seien; eine Frage, die ich bejahen musste, da sich etwa zwölf deutsche Soldaten unter Führung eines Leutnants im Ostbunker aufhielten. Der amerikanische Leutnant frug mich, ob die deutschen Soldaten bereit wären, sich zu ergeben, andernfalls müsste er mit allen Waffen gegen den Ostbunker, der umstellt sei, vorgehen.“[2]
Kemperhof-Bunker war umstellt
Weiterhin führte Franz Lanters zu dem Geschehen aus:
„Ich hatte vorher mit dem deutschen Leutnant gesprochen, der einsah, dass er gegen die Übermacht und die bessere Bewaffnung der Amerikaner nichts ausrichten konnte, und der bemüht war, Kämpfe im Bunker im Interesse der Kranken zu vermeiden. Ich sagte dem amerikanischen Leutnant, dass aus diesem letzteren Grunde der deutsche Leutnant bereit wäre, sich mit seinen Leuten zu ergeben. Die zweite Frage des amerikanischen Leutnants lautete, ob Waffen im Hause seien. Ich konnte ihm versichern, dass außer in den Zimmern der deutschen Soldaten keine Waffen dort wären. Eine weitere Frage des amerikanischen Leutnants, warum die Soldaten sich im Hause aufhielten, beantwortete ich dahingehend, dass die Soldaten sich hier nicht aufhalten, sondern sich kämpfend aus dem Gelände auf den Bunker zurückgezogen hätten.“
Dem klugen Handeln des Verkehrs- und Hafendirektors Franz Lanters ist es zu verdanken, dass eine blutige Besetzung des Kemperhofs im letzten Augenblick verhindert werden konnte. Wie vereinbart, legte die deutsche Besatzung die Waffen nieder und ging in Gefangenschaft.
Die Amerikaner indessen machten keine Pause und stießen weiter in Richtung Innenstadt vor. Dabei besetzten sie auch den Hochbunker des benachbarten Krankenhauses Marienhof. Einen Tag später war die linksrheinische Stadt erobert.
Umzug auf den Rittersturz
Bis auch die rechtsrheinischen Stadtteile unter Kontrolle der US-Truppen waren, sollten noch zehn Tage vergehen. Der Kemperhof wurde Standort des Vorkommandos der US-Militärregierung, die sich aber später im Berghotel Rittersturz und Ende des Jahres im Rathaus einrichten sollte.
Anmerkungen
[1] Dazu: Werner Mahlburg, Die Stadt Koblenz in den Jahren des Wiederaufbaus 1945 bis 1947. Ein Beitrag zur Koblenzer Nachkriegsgeschichte. Zulassungsarbeit, Würzburg 1985.
[2] Zitate aus: Franz-Josef Heyen, Michael Koelges und Hans Josef Schmidt, Koblenzer erinnern sich an das Ende des Krieges, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur. Neue Folge, Bd. 6, Koblenz 1996, S. 129 ff.
📌 CHRONIK: DER ZWEITE WELTKRIEG II
1944
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19. Januar: Die Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ wird zerschlagen.
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21. Januar: Zwei Tage später beginnt die letzte deutsche Luftoffensive gegen britische Städte.
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28. Januar: Die Rote Armee sprengt den deutschen Belagerungsring um Leningrad (St. Petersburg).
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1. März: Die Zahl der Zwangsarbeiter in Deutschland wird mit sieben Millionen angegeben.
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7. März: Beginn einer Anwerbeaktion im Deutschen Reich, die Frauen motivieren soll, in den Fabriken zu arbeiten.
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19. März: Deutsche Truppen besetzen Ungarn, weil sie einen Seitenwechsel des Landes befürchten.
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Ende März: Fast 1,5 Millionen Berliner sind obdachlos.
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1. April: US-Bomber greifen das in der neutralen Schweiz gelegene Schaffhausen an.
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4. Juni: Alliierte Truppen ziehen drei Wochen nach Beginn ihrer Offensive in Rom ein.
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Juni: Rund 500.000 ausländische Freiwillige sind in der Waffen-SS aktiv.
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6. Juni: Die Alliierten beginnen ihre erfolgreiche Invasion in der Normandie (D-Day).
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17. Juni: Island erklärt seine Unabhängigkeit von Dänemark.
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20. Juni: US-Schiffe zerstören die japanische Trägerflotte.
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22. Juni: Die Rote Armee beginnt eine Großoffensive, die zum kompletten Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte führen wird.
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1. Juli: In Bretton Woods (USA) beginnt eine Konferenz über die Weltwirtschaft der Nachkriegszeit.
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15. Juli: Erwin Rommel, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, fordert Hitler auf, den Krieg zu beenden.
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20. Juli: Fünf Tage später überlebt der Diktator das Bombenattentat des Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
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23. Juli: Die Rote Armee befreit das Vernichtungslager Majdanek.
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Anfang August: Die Wehrmacht schlägt einen Aufstand der „Heimatarmee“ in Warschau nieder.
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15. August: Alliierte Streitkräfte landen auch an der französischen Mittelmeerküste.
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19. August: Die Kesselschlacht bei Falaise entscheidet den Kampf um Frankreich.
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25. August: Paris wird zurückerobert. Am selben Tag erklärt das bislang verbündete Rumänien dem Deutschen Reich den Krieg.
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8. September: Die Wehrmacht setzt zum ersten Mal die Fernrakete V2 gegen London ein.
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21. Oktober: Aachen fällt als erste deutsche Großstadt in alliierte Hand.
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16. Dezember: Die Wehrmacht beginnt die am Ende erfolglose Ardennenoffensive.
1945
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12. Januar: Beginn der sowjetischen Winteroffensive.
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27. Januar: Die Rote Armee befreit das Vernichtungslager Auschwitz.
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30. Januar: Hitler hält seine letzte Rundfunkrede. Am selben Tag versenkt ein sowjetisches U-Boot die „Wilhelm Gustloff“; mehr als 5.000 Flüchtlinge sterben.
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11. Februar: Die alliierte Konferenz von Jalta auf der Krim zur Nachkriegsordnung geht zu Ende.
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14. Februar: Dresden wird nach mehreren britischen Bombenangriffen in Schutt und Asche gelegt. Die Höhe der Opferzahlen ist bis heute umstritten (aktuell ist von 20.000 Toten die Rede, während ältere Schätzungen im sechsstelligen Bereich lagen).
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3. März: Alliierte Bomber greifen versehentlich Basel und Zürich an.
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12. März: Anne Frank wird im KZ Bergen-Belsen ermordet.
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19. März: Hitler erlässt den „Nero-Befehl“, wonach alle militärisch relevanten Einrichtungen und die Infrastruktur im Reich zerstört werden sollen.
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12. April: Harry S. Truman wird Nachfolger von US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der an einer Hirnblutung verstorben war.
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16. April: Beginn der Schlacht um Berlin unter Beteiligung von 2,5 Millionen sowjetischen Soldaten.
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17. April: Einen Tag später kapitulieren die 325.000 im Ruhrkessel eingeschlossenen deutschen Soldaten; die Westfront bricht endgültig zusammen.
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25. April: In Torgau an der Elbe treffen erstmals US-Einheiten und sowjetische Soldaten aufeinander.
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28. April: Italienische Partisanen richten den Diktator Benito Mussolini hin.
