Stadtansicht von Koblenz, im Vordergrund das Benediktinerinnenkloster, links daneben das Kartäuserkloster, im Hintergrund die Stadtsilhouette von Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein (rechts). Mit Google Gemini KI-generierte Visualisierung. Vorlage: Zeichnung aus Joseph Gregor Lang, Reise auf dem Rhein, 1789. Quelle: Wikipedia.
Projekte für das Oberwerth und die Altstadt
Obwohl die Raumnot in Koblenz Architekten und Ingenieure vor immer größere Herausforderungen stellte, spielte die Insel Oberwerth in ihren Überlegungen lange keine wichtige Rolle. Dabei hatte es schon, wie das neue Werk des Landeshauptarchivs Koblenz über den Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen zeigt, im späten 18. Jahrhundert Pläne gegeben, die Flussinsel mit dem Festland zu verbinden und neu zu nutzen. Realisiert wurde jedoch nichts.
Prägend blieben die Bauten des 1143 gegründeten Benediktinerinnenklosters und landwirtschaftliche Flächen. Weite Teile der Insel gelangten schließlich 1835 in den Besitz des Grafen Franz Simon Pfaff von Pfaffenhorn und später an die Familie von Chleodowski. Das Kloster war bereits mit dem Einmarsch der Franzosen im Herbst 1794 aufgegeben worden.

Die Horchheimer Eisenbahnbrücke nach Fertigstellung 1880. J – Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin. Inventarnummer: BZ-F 08,006.
Einschneidende Veränderungen auf der Insel folgten erst mit dem Bau der Horchheimer Eisenbahnbrücke in den Jahren von 1876 bis 1879. In dieser Zeit ging der Inselcharakter verloren. 1885 entstand darüber hinaus ein sogenannter Fahrweg, der die Fährverbindung ersetzte. Prägend wurde auch der Bau des ersten Koblenzer Wasserwerks, der quasi zu einer Zweiteilung der Insel führte.
Die Bereiche südlich der Horchheimer Brücke blieben – sieht man einmal von den Sportstätten ab – weitgehend unbebaut, während nördlich großzügige Wohnhäuser entstehen konnten. Voraussetzung hierfür waren allerdings aufwendige Erschließungsmaßnahmen, die nach ihrem Abschluss 1909 die ersten Baumaßnahmen ermöglichten. Zu diesen Maßnahmen gehörte die Vollendung der Brücke zur Mainzer Straße sowie die Anlage von Mozartplatz und Mozartstraße. Beide Projekte wurden ebenfalls im Jahr 1909 abgeschlossen. Damit war auch der Weg für die Bebauung frei, wobei es von Anfang an um Lösungen für die gehobene Gesellschaft ging.

Am Anfang stand eine Aktiengesellschaft
Die Anfänge der Neubebauung des Oberwerths liegen jedoch im späten 19. Jahrhundert. In den Jahren 1897 und 1898 wurden nämlich in der Simrockstraße die ersten Baugrundstücke parzelliert und verkauft. Um die weitere Bebauung zügig nach vorn zu treiben, wurde im Jahr 1900 eine Aktiengesellschaft für die:
„Villen-Colonie von Coblenz-Oberwerth“
gegründet, die ein Kapital von 1 Million Mark vorweisen konnte. Das reichte aus, um ein Gelände mit der Größe von 118 Morgen samt einem alten Herrenhaus und sämtlicher Nebengebäude von der Familie von Chleodowski zu erwerben. Die Kosten: 906.992,50 Mark. Plus Erschließungskosten musste die junge Gesellschaft unter dem Strich 1,75 Millionen Mark aufbringen. Denn: Alle Straßen im neu zu erschließenden Areal, das vom Mozartplatz bis zum Bahndamm reichte, sollten oberhalb des Hochwasserniveaus von 1882 angelegt werden.
Verhandlungspartner war vor allem die Stadt. Denn Gräfin Pfaffenhofen-Chleodowski war bereit, weite Teile der Insel an die Kommune abzutreten, was in den Jahren 1904 und 1907 auch geschah. Und auch dieses Mal war das Jahr 1909 ein Schlüsseljahr, denn es konnten bereits 19 Straßen benannt werden. In dieser Zeit entstanden rund um den Mozartplatz und in der Rheinau nicht nur imposante Villen: Auch der Weg für eine einfachere Bebauung war grundsätzlich frei. So nutzte der Beamten-Wohnungs-Verein kurz nach seiner Gründung im Dezember 1911 diese Option. Zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse der öffentlichen Hand machten dies möglich, weil es ja darum ging, Wohnraum für staatliche Beamte und Arbeiter zu schaffen. Die Aktivitäten der jungen Genossenschaft konzentrierten sich zunächst auf die Sebastian-Bach-Straße, in der zum 1. Juli 1913 mehrere Wohnhäuser fertiggestellt wurden. Weitere Baumaßnahmen sollten in den 20er-Jahren folgen. Das passte zur allgemeinen Entwicklung auf der Insel und in der Stadt, die eine starke Steigerung der Bauaktivitäten brachte.

Conrad Reichs Münzplatzprojekt
Natürlich waren mit den großen Bauprojekten im Stadterweiterungsgebiet die Aktivitäten in der Alt- und Innenstadt nicht vorbei. Dort gab es nämlich einen enormen Modernisierungsbedarf. Das Interesse der Planer galt zum Beispiel der westlichen Kernstadt, die schon im frühen 19. Jahrhundert als städtebaulicher Problembereich galt. So war der Bereich der heutigen Burgstraße von Gräben und Nebenbauten der Alten Burg geprägt, in der sich eine Blechwarenfabrik befand.
Erst in den 1840er-Jahren änderte sich die Situation grundlegend. Ebenso wie zuvor der Florinsmarkt wurde nun auch der Weg für die Verbreiterung der Trasse und die spätere Neubebauung frei. Der heutige Münzplatz, der lange von Gärten, ungeordneten Häusern und Schuppen geprägt war, blieb außen vor. Die zentrale Lage des Geländes an der alten Straße nach Bonn war schließlich ein Motiv für den bekannten Koblenzer Architekten Conrad Reich, umfassende Pläne für die Neugestaltung zu bearbeiten. Obwohl sein Konzept nie vollständig in die Tat umgesetzt wurde, ermöglichte es eine geschlossene Bebauung auf der Nordseite des Münzplatzes.
Conrad Reichs Pläne waren ganz im Sinne von Rat und Verwaltung, weil trotz der Veränderungen des 19. Jahrhunderts auch in der Burgstraße Handlungsbedarf bestand. Weil die Trasse für Fuhrwerke viel zu eng war, sollte die Fahrbahn verbreitert und auf der Südseite durch einen neuen Gebäudekomplex abgeschlossen werden. Die Überlegungen des Architekten, der auch die Burgstraße einbezog, schienen da ideal zu sein.
Der Architekt wandte sich am 15. Mai 1909 mit:
„einer für die Stadt Coblenz würdigen Lösung“
an den damaligen Oberbürgermeister Karl Ortmann und betonte dabei, dass es für:
„die Erzielung einer geschlossenen künstlerischen Wirkung“
wichtig sei, die Verwirklichung des Konzeptes möglichst in einer Hand zu vereinigen.
Die Pläne sahen vor, auf der südlichen Seite der zu verbreiternden Burgstraße und an der Nordseite des Münzplatzes eine einheitliche Bebauung herzustellen. Großzügig angelegte Laubengänge sollten die architektonische Wirkung steigern. Ursprünglich beabsichtigte Reich, ebenfalls die Westseite des Münzplatzes mit diesen Laubengängen auszustatten und somit auch das Eigentum der Freimaurerloge in das Gesamtkonzept einzubeziehen. Als Gegengewicht zur Westseite plante Reich, auf der Ostseite bis zum Münzmeisterhaus weitere Arkaden zu schaffen.
Die Koblenzer Freimaurer standen den Plänen zunächst aufgeschlossen gegenüber. Die Verhandlungen scheiterten jedoch an den fehlenden finanziellen Mitteln. Auch die Gespräche mit der Stadt und dem Architekten, der entschlossen war, als Bauherr gewinnbringend zu investieren, verliefen nicht reibungslos. Dennoch kam eine Einigung zustande. Endgültig freigemacht wurde der Weg durch die Zustimmung des Regierungspräsidenten sowie durch Änderungen im Grundbuch und Neuparzellierungen. Im März 1910 begannen die Ausschachtungsarbeiten für die vier Gebäude am Münzplatz, im Herbst waren die Rohbauten bereits fertiggestellt. Bis zum März 1911 war der Ausbau zu Ende gebracht. Schon bald nach der Vollendung stellte sich heraus, dass die Laubengänge für die Gewerbetreibenden ein Hindernis darstellten. Ergebnis: Der Architekt schrieb bereits 1913, dass sich das Projekt nicht rentiere.[1]
Anmkerkungen
[1] Über das Projekt: Reinhard Kallenbach, Die Koblenzer Altstadt, Koblenz 1995. Über den Koblenzer Maler William Straube: Gisela C. Hinze, Leben und Werk des Malers William Straube (1871–1954). Dissertation. 2 Bde., Bonn 1990.
