Britisches Luftbild nach dem verheerenden Angriff vom 6. November 1944. Die Koblenzer Altstadt mit dem ausgebrannten Kurfürstlichen Schloss links unten. KI-koloriert mit Google Gemini. Original: – Universität Keele, British Crown Copyright (gemeinfrei).
Bomben vernichten die blühende Stadt
Lange schien es so, als würde man die Bunker nicht brauchen. Zwar überflogen immer wieder Bomberverbände den Großraum Koblenz, doch war deren tödliche Fracht nicht für Koblenz bestimmt. Doch das sollte sich 1944 ändern. Die Alliierten hatten inzwischen die Bedeutung des regionalen Verkehrsnetzes für die Versorgung der Westfront erkannt.
Der erste wirklich schwere Luftangriff auf Koblenz datiert auf den 19. April 1944: Gegen 11 Uhr griffen Bomber das Moselweißer Eisenbahngelände an. 23 Menschen starben. Damit hatte der Bombenkrieg auch in der Provinzhauptstadt neue Dimensionen erreicht. In den kommenden Wochen und Monaten wurden mehr als 40.000 Sprengbomben und fast 160.000 Brandbomben abgeworfen. Die Stadt war dem Untergang geweiht. Die schwersten Angriffe standen nämlich noch bevor.
Die massiven Luftangriffe des Jahres 1944 hatten verheerende Folgen für die einstige Residenzstadt. Das ist unbestritten. Dennoch ist die weitverbreitete Aussage, dass Koblenz zu 87 Prozent zerstört wurde, nicht richtig. Diese Quote bezieht sich nur auf die Alt- und Innenstadt. Dagegen gab es in den Stadtteilen zahlreiche Häuser, die unversehrt blieben oder nur leicht beschädigt wurden. Dennoch hinterließ der Krieg Narben, die noch immer spürbar sind.
Dass es während der Luftangriffe der Jahre von 1942 bis 1945 trotz der 1016 Toten und 2925 Verwundeten im Vergleich zu anderen deutschen Städten geringere Opferzahlen gab, ist auch der guten Arbeit der Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu verdanken, die in Zusammenarbeit mit der
„Partei“
ab Herbst 1944 zur fast vollständigen Evakuierung der Stadt beitrugen. Diese befanden sich, so die Historikerin Petra Weiß, in einem moralischen Dilemma. Einerseits wollten sie den Koblenzern einfach helfen, andererseits arbeiteten sie, weil sie wie die Soldaten der Wehrmacht einen Eid auf Hitler leisten mussten, auch für den Erhalt des Systems. Das galt streng genommen sogar für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, die ein Beitrag zur Stärkung der Kriegsmoral sein sollte. Wie dem auch sei: Ohne das umsichtige Verhalten der untersten Verwaltungsebenen wäre die Zahl der Opfer weitaus höher gewesen.

Stadt war weitgehend geräumt
Anfang Januar 1945 lebten von den ursprünglich 94.417 Einwohnern nur noch rund 9000 im Stadtgebiet. In der Alt- und Innenstadt verharrten rund 4000 Bewohner in Bunkern und Schutzräumen. Hierbei handelte es sich meist um Angehörige kriegswichtiger Betriebe, wobei das Spektrum der Berufe breit war. So konnten Inhaber von kleinen Unternehmen des Nahrungsmittelhandwerks in der Stadt bleiben. Ein Beispiel ist die Fleischerei Breuer im Altenhof 11.
Die Gründe, die am Ende zum Untergang der Provinzhauptstadt führten, waren nur am Rand wirtschaftlicher Natur. Nennenswerte Industrie gab es nicht. Und auch der Status als bedeutende deutsche Garnisonsstadt führte meistens nicht zu gezielten Angriffen. Von 1940 bis zum April 1944 war Koblenz lediglich ein Ausweichziel. Doch dann wurde Koblenz zu einem Hauptziel, weil die Alliierten die Bedeutung der Stadt als Eisenbahnknotenpunkt entdeckten, über den zum Teil die Versorgung der Westfront rollte.
Der international bekannte Koblenzer Historiker Dr. Helmut Schnatz nennt folgende Phasen der Zerstörung:
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19. April bis 20. Juli 1944: Die 8. US-Air Force bombardierte den Verschiebebahnhof Koblenz-Mosel als Ausweichziel bei der Invasionsvorbereitung und im Zuge des wieder aufgenommenen strategischen Luftkrieges nach der gelungenen Invasion in der Normandie.
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8. September 1944 bis 3. November 1944: Die 8. US-Air Force bombardierte die beiden Verschiebebahnhöfe in Koblenz als Haupt- und Ausweichziele zur Unterstützung der amerikanischen Bodentruppen bei ihrem Herbstfeldzug am Westwall.
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6. November bis 21. November 1944: Das Bomber Command der Royal Air Force (RAF) griff das Stadtzentrum im Zusammenhang mit der Offensive gegen kleine und mittlere Städte in Südwest- und Süddeutschland an.
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11. November bis 12. Dezember 1944: Die 8. US-Air Force bombardierte wieder die beiden Verschiebebahnhöfe als Haupt- und Ausweichziele im Rahmen einer neuen Offensive gegen Verkehrsziele im Reich, um die Bodentruppen an der Westgrenze zu unterstützen.
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18. Dezember 1944 bis 8. Januar 1945: 8. US-Air Force und Bomber Command der RAF griffen die beiden Verschiebebahnhöfe und die beiden Eisenbahnbrücken im Stadtgebiet als Antwort auf die Ardennenoffensive der deutschen Wehrmacht an.[2]
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9. Januar bis 29. Januar 1945: Für die 8. und 9. US-Air Force wurden Koblenz-Mosel und die Mosel-Eisenbahnbrücke noch einmal Ausweichziele. Danach war Koblenz als Angriffsziel nicht mehr interessant.
Für die vorläufige Konzentration auf die Bahnanlagen gab es gute Gründe. Der Verschiebebahnhof Koblenz-Lützel erreichte eine Tageskapazität von 2000 Waggons, am Bahnhof Mosel wurden sogar 2600 Waggons rangiert. Auch wenn sich 1944 neben der breit aufgestellten Verwaltung noch zahlreiche militärische Dienststellen und Truppenteile in der Stadt befanden, waren die für sie bestimmten Bauten allein als Ziele zu uninteressant, um sie zum Thema eines Hauptangriffs zu machen. Denn die meisten der ursprünglich in der Stadt stationierten Soldaten waren an der Front.
Erst nach der erfolgreichen Invasion in Frankreich rückte Koblenz zunehmend in das Visier alliierter Luftkriegsstrategen. In der Liste von 422 Orten im Reich, in denen die 8. US-Air Force Ziele angegriffen hatte, stand die Stadt schließlich nach der Rangordnung der abgeworfenen Tonnage an 15. Stelle.
Zur Katastrophe kam es, als die 3. Group des Bomber Command der RAF am frühen Abend des 6. November mit 122 Lancaster-Bombern 232,9 Tonnen Spreng- und 288,3 Tonnen Brandbomben auf das Innenstadtgebiet abwarf, wobei der Zielpunkt am Löhrrondell lag. Streng genommen war dies der erste Angriff, der ausschließlich die zivilen Quartiere in den Mittelpunkt stellte. Dass es mit
„nur“
100 Toten relativ wenige Opfer gab, lag an der weit fortgeschrittenen Evakuierung.
Ein sinnloser Test
Helmut Schnatz schreibt über dieses Bombardement:
„Der Angriff war ein Test. Die 3. Group war auf das neue G-H-Navigations- und Zielsystem umgerüstet worden. Dies diente eigentlich für Angriffsverfahren bei Tageslicht. Nun sollte ausprobiert werden, ob damit auch zielgenau mit Bodenmarkierungen in der Dunkelheit operiert werden konnte. Dies bestätigte sich denn auch, es war einer der konzentriertesten Angriffe des Bomber Command im Zweiten Weltkrieg. Den Brandschein sahen die Besatzungen der abfliegenden Lancaster noch, als sie Brüssel überflogen.“
Das Ergebnis der in der Stadtgeschichte bislang beispiellosen Aktion war, dass das Gebiet der Innenstadt zwischen der Südseite des Plans und dem Friedrich-Ebert-Ring in der Fläche niederbrannte.
Ein weiteres Flächenbrandgebiet entstand zwischen dem Rheinufer, der Kastorpfaffenstraße und der Kornpforte. Schwere Schäden entstanden darüber hinaus auch in der südlichen Vorstadt, in Lützel, Ehrenbreitstein und Pfaffendorf. Glimpflicher kam die nördliche Kernstadt davon, was Helmut Schnatz auf die Windentwicklung zurückführt. Trotzdem war der Flächenbrand so gigantisch, dass Löschversuche aussichtslos waren. Die Wehren und ihre Helfer konzentrierten sich deshalb auf Objekte am Rande der Brandgebiete. Mit dieser Strategie gelang es, zumindest große Teile des historischen Rathauses und das Stadttheater zu retten.
Abgesehen von den
„positiven“
Testergebnissen hatte der Luftschlag militärisch keinen Sinn. Er reiht sich somit in eine ganze Reihe von – auch aus heutiger Sicht – ethisch höchst fragwürdigen Angriffen ein, die ausschließlich das Ziel hatten, einst blühende historische Städte in Schutt und Asche zu legen, um die Bevölkerung zu demoralisieren. Breslau, Dresden und Würzburg zählen zu den prominenten Beispielen.
Bei ihren Luftangriffen auf Koblenz gelang es den Alliierten noch nicht einmal, den Eisenbahnverkehr dauerhaft auszuschalten. Zwar wurden die große Halle des Hauptbahnhofs und die Eisenbahnüberführung am Moselring zerstört, doch war der Durchgangsverkehr auf der Bahnstrecke Köln–Mainz nur vorübergehend unterbrochen.

Anmerkungen
[1] Über den Luftkrieg in Koblenz: Helmut Schnatz, Der Luftkrieg im Raum Koblenz, Boppard 1981. Dazu der Beitrag des Koblenzer Historikers auf historicum.net.
Chronik: Der Zweite Weltkrieg I
1941
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6. April: Die deutschen Truppen in Ungarn, Rumänien und Bulgarien beginnen den Überfall auf Griechenland und Jugoslawien. Die sowjetische und die jugoslawische Regierung schließen einen Beistandspakt.
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10. Mai: Rudolf Heß, Stellvertreter Hitlers in der NSDAP, fliegt offenbar ohne vorherige Abstimmung nach Schottland, um mit der britischen Regierung über einen Frieden zu verhandeln. Er wird als Kriegsgefangener interniert. Hitler entlässt ihn aus allen Parteiämtern.
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20. Mai: Deutsche Fallschirmtruppen beginnen mit der Eroberung Kretas.
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22. Juni: Beginn des Feldzugs „Barbarossa“ – deutsche Truppen marschieren ohne Kriegserklärung in die UdSSR ein.
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31. Juli: SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich wird beauftragt, die Vernichtung der Juden vorzubereiten.
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3. September: Im KZ Auschwitz werden erstmals Juden mit dem Gift Zyklon B vergast.
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19. September: Die Polizeiverordnung zum Tragen eines Judensterns tritt in Kraft.
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2. Dezember: Deutsche Truppen erreichen die Moskauer Vororte.
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7. Dezember: Japanische Flugzeuge greifen den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor an.
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12. Dezember: Fünf Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbor erklärt Deutschland den USA den Krieg.
1942
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20. Januar: Auf der Wannsee-Konferenz in Berlin wird unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich über organisatorische Fragen der „fabrikmäßigen“ Ermordung der europäischen Juden beraten.
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11. Februar: 15-jährige Schüler der höheren Schulen werden als Luftwaffenhelfer rekrutiert.
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17. März: Mit dem ersten Deportationszug nach Belzec in Polen beginnt die systematische Ermordung der Juden.
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18. April: Mit Beginn der Tauwetterperiode kommen die Kämpfe in Russland weitgehend zum Erliegen; der deutsche Nachschub bricht fast völlig zusammen.
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20. April: Frauen werden zur Arbeit in den Rüstungsbetrieben verpflichtet.
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26. April: Der Reichstag spricht Hitler die höchste Rechtsprechung zu. Jeder „Führerbefehl“ ist damit unumstößliches Recht.
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28. Mai: Nach der Schlacht bei Charkow in der Ukraine geraten 240.000 sowjetische Soldaten in deutsche Gefangenschaft.
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30. Mai: Nur zwei Tage später zerstört die britische Luftwaffe die gesamte Kölner Innenstadt.
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30. August: Das deutsche Afrikakorps startet bei Al Alamain eine letzte Offensive. Feldherr Rommel scheitert.
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22. November: Die Rote Armee schließt in Stalingrad rund 284.000 deutsche Soldaten ein.
1943
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1. Januar: Die Wehrmacht beginnt mit dem Rückzug aus dem Kaukasus.
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21. Januar: Die deutschen und italienischen Verbände ziehen sich aus Tripolis zurück.
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2. Februar: In Stalingrad geraten 100.000 deutsche Soldaten in sowjetische Gefangenschaft.
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14. Februar: Im Osten beginnt auf Weisung Hitlers die Strategie der verbrannten Erde.
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18. Februar: Joseph Goebbels hält im Berliner Sportpalast seine berüchtigte Rede zum „totalen Krieg“. Am selben Tag werden die Geschwister Hans und Sophie Scholl von der Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ festgenommen und wenig später zum Tode verurteilt.
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24. Februar: Hitler befiehlt, Befehlsverweigerer der Wehrmacht sofort zu erschießen.
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19. April bis 16. Mai: Im Warschauer Getto beginnt ein Aufstand, der brutal niedergeschlagen wird.
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13. Mai: Die letzten deutschen Einheiten in Nordafrika kapitulieren.
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10. Juni: Die Westalliierten beginnen ihre „kombinierte“ Bomberoffensive: US-Bomber greifen am Tag an, britische Flugzeuge nachts.
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21. Juni: Heinrich Himmler befiehlt die Auflösung sämtlicher Gettos.
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10. Juli: Alliierte Truppen landen in Sizilien.
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1. August: Die Wehrmacht reagiert auf die Landung in Sizilien und marschiert in Ober- und Mittelitalien ein.
