Kelten
Fiktive keltische Siedlung in einer Flussdelta-Landschaft. Die KI-erzeugte Illustration spiegelt gut den Wandel im Handwerk wieder. Die Eisenerzeugung spielt jetzt eine wichtige Rolle, auch wenn sie lange in kleinen Öfen erfolgte. Wichtiger Hinweis: Inzwischen ist archäologisch erwiesen, dass auch am Zusammenfluss von Rhein und Mosel eine Flussdelta-Landschaft existierte. Auf den hochwasserfreien „Inseln“ entstanden kleine Siedlungen, […]
Fiktive keltische Siedlung in einer Flussdelta-Landschaft. Die KI-erzeugte Illustration spiegelt gut den Wandel im Handwerk wieder. Die Eisenerzeugung spielt jetzt eine wichtige Rolle, auch wenn sie lange in kleinen Öfen erfolgte. Wichtiger Hinweis: Inzwischen ist archäologisch erwiesen, dass auch am Zusammenfluss von Rhein und Mosel eine Flussdelta-Landschaft existierte. Auf den hochwasserfreien „Inseln“ entstanden kleine Siedlungen, Gehöfte und Handwerksbetriebe. Foto generiert mit Google Gemini.
Kelten
Gründeten Kelten das alte Koblenz?
Obwohl die Römer nach wie vor als Gründer von Koblenz gelten, beflügeln die jahrtausendealten neuen archäologischen Funde aus dem Stadtgebiet die Fantasie. Ist das heutige Oberzentrum im Kern noch viel älter als gedacht? Die Frage liegt in der Tat auf der Hand – auch wenn man nicht so vermessen sein sollte, den Menschen der Jungsteinzeit die Gründung einer größeren Siedlung zuzuschreiben.
Beim Blick in die Eisenzeit wird das ganz anders. Denn jetzt meldet sich ein Volk zu Wort, das wie kein anderes die Urgeschichte Westeuropas geprägt hat: die Kelten.
Die besondere Topografie im Flussdelta und die Fähigkeit der Kelten, komplexe Siedlungen zu bauen, legen vor dem Hintergrund der zahlreichen eisenzeitlichen Funde im Stadtgebiet einen Schluss nahe: Als die Römer in der Zeit um Christi Geburt an den Rhein vorstießen, fanden sie eine hoch entwickelte Zivilisation der Treverer vor. Schon früher, in der Hunsrück-Eifel-Kultur, gab es beachtliche Leistungen der älteren Keltenstämme. Diese Kultur begann ungefähr im Jahr 800 und endete um 250 vor Christus. Sie ist Teil zweier Epochen: der jüngeren Hallstattzeit und der La-Tène-Zeit.
Bedeutende Fundstätten
Beide Epochen tragen den Namen von zwei zentralen Fundstätten, die nicht nur zum Inbegriff der keltischen Kultur wurden, sondern auch die Leitfossilien für die Datierung archäologischer Funde lieferten. Während die Hallstattzeit von einem keltischen Gräberfeld bei Hallstatt im österreichischen Salzkammergut abgeleitet wird, geht die La-Tène-Zeit auf einen gewaltigen Waffenfund beim schweizerischen La Tène am Neuenburger See zurück.
Aus der älteren und jüngeren Eisenzeit sind eindrucksvolle Plätze erhalten: Befestigte Fürstensitze wie der Glauberg in der Wetterau, Adelsgräber wie das berühmte Hügelgrab des Keltenfürsten von Hochdorf im Kreis Ludwigsburg (beide um 500 vor Christus) oder die berühmte Siedlung von Manching bei Ingolstadt sind nur einige herausragende Beispiele. Allein im Oppidum Manching lebten im 1. Jahrhundert vor Christus bis zu 10.000 Menschen. Sie arbeiteten fast unter industriellen Bedingungen. Denn die Kelten waren Meister der Metallurgie, des Handwerks und des Handels.
Zeugnisse der keltischen Hochkultur in der Region
Zeugnisse der keltischen Hochkultur sind auch aus der Region überliefert. Berühmt wurden die Wagengräber von Bell im Hunsrück, Kärlich und Lonnig aus der Zeit um 600 vor Christus und der kreisrunde Goloring bei Kobern-Gondorf, der heute als Kultstätte interpretiert und in die Jahre von 800 bis 250 vor Christus datiert wird. Die in den Grabhügeln entdeckten etruskischen Schnabelkannen aus Bronze dokumentieren weitreichende Handelsbeziehungen. Funde von Transportgefäßen zeigen, dass Wein aus dem Rhonetal importiert wurde.
Der ausgeprägte Fernhandel machte die Gründung von Handels- und Handwerkssiedlungen erforderlich. Die Funde aus Koblenz könnten ein Beleg dafür sein, dass das an wichtigen Handelsrouten gelegene Flussdelta schon damals eine wichtige Rolle spielte.
Sprachgeschichte und archäologische Belege
Befürworter dieser Theorie argumentieren sogar sprachgeschichtlich. Sie leiten den Namen von Koblenz nicht vom lateinischen apud confluentes (bei den Zusammenfließenden), sondern vom keltischen Wort condas ab. Dieses steht für Zusammenfluss und kehrt in dem häufig gewählten Ortsnamen Condate wieder. Die Theorie hat nur einen Haken: Zwar sind die keltischen Sprachen heute als Zweig der indogermanischen Sprachfamilie fassbar, doch heißt das nicht, dass es auch schriftliche Quellen gibt.
Die keltische Kultur lässt sich auch im Koblenzer Raum nur mithilfe der Archäologie erforschen. So wurden bei den Ausgrabungen in der Nähe des Deutschen Ecks Gehöftareale untersucht, die in die Zeit vom 7. bis zum 3. Jahrhundert vor Christus datieren. Ähnliche Befunde gab es in der Rheinstraße, zwischen Florinspfaffengasse und Kornpfortstraße sowie südlich des Münzplatzes. Am Wöllershof entdeckten Archäologen sogar Reste eines spätkeltischen Brennofens.
Handels- und Handwerkersiedlung
Aus Funden und Befunden ergibt sich eine Reihe von Indizien, die für eine ausgedehnte Handels- und Handwerkersiedlung im Bereich der heutigen Innenstadt sprechen. Allerdings dürfte dieses Areal nicht dicht bebaut gewesen sein. Archäologen gehen heute von einer Ansammlung von Gehöften sowie freistehenden Fachwerkhäusern und Grubenhäusern aus, die auf den hochwasserfreien „Inseln“ im Flussdelta errichtet wurden. Dieses Bild findet im Umland zahlreiche Entsprechungen. Vor allem in der Eifel legen Mitarbeiter der Direktion Archäologie immer wieder Grundrisse und Abfallgruben von Siedlungen frei. Einige dieser Anlagen, darunter auch Koblenz, haben eine Platzkontinuität, die weit in das Neolithikum zurückreicht.
Hinweise auf vorkeltische Kulturen haben sich bis heute in einsilbigen Ortsnamen wie Thür oder Trimbs erhalten. Welche Völker vor den Kelten in der Region (in der es damals deutlich milder war als heute) lebten und wie sie sprachen, ist heute unbekannt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass am Mittelrhein zahlreiche Funde aus der Bronzezeit (1800 bis 1200 vor Christus) gemacht wurden. Und: In Koblenz handelt es sich überwiegend um sogenannte Weihefunde, die im Bereich der Flussfurten gemacht wurden. Über die Art der bronzezeitlichen Besiedlung im heutigen Stadtgebiet können sie keine Auskunft geben. Wir wissen aber, dass es am Übergang zur Urnenfelderzeit (1200 bis 800 vor Christus), die ihren Namen von den Urnenbestattungen in großen Flachgräberfeldern hat, vor allem wegen klimatischer Verschlechterungen Bevölkerungsbewegungen gab. Sie betrafen den ganzen Kontinent.
In Koblenz entstanden während der Urnenfelderzeit die befestigten Adelssitze auf dem Dommelsberg im Stadtwald und auf dem Ehrenbreitstein. Beide Anlagen wurden im Bereich wichtiger Handelsrouten gegründet. Die Befestigung auf dem heutigen Festungsplateau hatte außerdem die wichtige Aufgabe, die damals unverzichtbaren Erzlagerstätten im Mühlental zu sichern.
Aufbruch nach Klimawandel
Wir wissen heute, dass die späte Urnenfelderzeit den Siegeszug des Eisens einleitete. Wer die Kunst beherrschte, aus dem spröden Material Waffen herzustellen, die härter als Bronzeschwerter und Pfeile waren, hatte im Konfliktfall die schärferen Argumente.
Galten die späte Bronzezeit und die frühe Urnenfelderzeit noch als friedlich, wurden spätere Phasen konfliktreicher. Denn ganz Europa war in Bewegung. Im Falle der Philister hat der Prähistoriker Wolfgang Kimmig (1910–2001) genau rekonstruiert, wie weit eine Völkerwanderung führen konnte – allerdings sind seine Thesen umstritten: Wohl vom Balkan kommend, siedelte sich dieses Volk bereits um 1200 vor Christus in Palästina an. Die Philister und auch die Seevölker im Süden sind somit Protagonisten der Verwerfungen, die sich schließlich bis in den süddeutschen Raum und dann weit darüber hinaus auswirken sollten. In der späten Urnenfelderzeit werden auch die Protokelten fassbar. Dieses Volk kann in unserer Region in der Laufelder Kultur nachgewiesen werden, die für die Epoche zwischen Urnenfelderzeit und Hunsrück-Eifel-Kultur steht.
Neben ihrer überlegenen Kultur brachten die Kelten aber auch grausame Bräuche mit. So standen die eisenzeitlichen Stämme nicht nur für Menschenopfer für ihre Gottheiten, sondern auch für makabre Schädelkulte, die es auch noch im 1. Jahrhundert vor Christus gab. Ihren Feinden schlugen sie die Köpfe ab und hefteten sie mit groben Nägeln an ihre Hütten. Davor hatten sogar die römischen Legionäre Angst.
Am Ende halfen weder Mut noch Grausamkeit. Nach Caesars Gallienfeldzug mussten sich die Kelten Rom beugen – auch wenn sie weiter die Bevölkerungsmehrheit bildeten. Die damals in unserem Raum lebenden Treverer orientierten sich ebenfalls an der neuen „römischen Leitkultur“. Für das romanisierte Koblenz brach eine ganz neue Zeit an. Die Siedlung wurde Teil eines Weltreichs.
Handels- und Handwerkersiedlung
Aus Funden und Befunden ergibt sich eine Reihe von Indizien, die für eine ausgedehnte Handels- und Handwerkersiedlung im Bereich der heutigen Innenstadt sprechen. Allerdings dürfte dieses Areal nicht dicht bebaut gewesen sein. Archäologen gehen heute von einer Ansammlung von Gehöften sowie freistehenden Fachwerkhäusern und Grubenhäusern aus, die auf den hochwasserfreien „Inseln“ im Flussdelta errichtet wurden. Dieses Bild findet im Umland zahlreiche Entsprechungen. Vor allem in der Eifel legen Mitarbeiter der Direktion Archäologie immer wieder Grundrisse und Abfallgruben von Siedlungen frei. Einige dieser Anlagen, darunter auch Koblenz, haben eine Platzkontinuität, die weit in das Neolithikum zurückreicht.
Hinweise auf vorkeltische Kulturen haben sich bis heute in einsilbigen Ortsnamen wie Thür oder Trimbs erhalten. Welche Völker vor den Kelten in der Region (in der es damals deutlich milder war als heute) lebten und wie sie sprachen, ist heute unbekannt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass am Mittelrhein zahlreiche Funde aus der Bronzezeit (1800 bis 1200 vor Christus) gemacht wurden. Und: In Koblenz handelt es sich überwiegend um sogenannte Weihefunde, die im Bereich der Flussfurten gemacht wurden. Über die Art der bronzezeitlichen Besiedlung im heutigen Stadtgebiet können sie keine Auskunft geben. Wir wissen aber, dass es am Übergang zur Urnenfelderzeit (1200 bis 800 vor Christus), die ihren Namen von den Urnenbestattungen in großen Flachgräberfeldern hat, vor allem wegen klimatischer Verschlechterungen Bevölkerungsbewegungen gab. Sie betrafen den ganzen Kontinent.
In Koblenz entstanden während der Urnenfelderzeit die befestigten Adelssitze auf dem Dommelsberg im Stadtwald und auf dem Ehrenbreitstein. Beide Anlagen wurden im Bereich wichtiger Handelsrouten gegründet. Die Befestigung auf dem heutigen Festungsplateau hatte außerdem die wichtige Aufgabe, die damals unverzichtbaren Erzlagerstätten im Mühlental zu sichern.
Aufbruch nach Klimawandel
Wir wissen heute, dass die späte Urnenfelderzeit den Siegeszug des Eisens einleitete. Wer die Kunst beherrschte, aus dem spröden Material Waffen herzustellen, die härter als Bronzeschwerter und Pfeile waren, hatte im Konfliktfall die schärferen Argumente.
Galten die späte Bronzezeit und die frühe Urnenfelderzeit noch als friedlich, wurden spätere Phasen konfliktreicher. Denn ganz Europa war in Bewegung. Im Falle der Philister hat der Prähistoriker Wolfgang Kimmig (1910–2001) genau rekonstruiert, wie weit eine Völkerwanderung führen konnte – allerdings sind seine Thesen umstritten: Wohl vom Balkan kommend, siedelte sich dieses Volk bereits um 1200 vor Christus in Palästina an. Die Philister und auch die Seevölker im Süden sind somit Protagonisten der Verwerfungen, die sich schließlich bis in den süddeutschen Raum und dann weit darüber hinaus auswirken sollten. In der späten Urnenfelderzeit werden auch die Protokelten fassbar. Dieses Volk kann in unserer Region in der Laufelder Kultur nachgewiesen werden, die für die Epoche zwischen Urnenfelderzeit und Hunsrück-Eifel-Kultur steht.
Neben ihrer überlegenen Kultur brachten die Kelten aber auch grausame Bräuche mit. So standen die eisenzeitlichen Stämme nicht nur für Menschenopfer für ihre Gottheiten, sondern auch für makabre Schädelkulte, die es auch noch im 1. Jahrhundert vor Christus gab. Ihren Feinden schlugen sie die Köpfe ab und hefteten sie mit groben Nägeln an ihre Hütten. Davor hatten sogar die römischen Legionäre Angst.
Am Ende halfen weder Mut noch Grausamkeit. Nach Caesars Gallienfeldzug mussten sich die Kelten Rom beugen – auch wenn sie weiter die Bevölkerungsmehrheit bildeten. Die damals in unserem Raum lebenden Treverer orientierten sich ebenfalls an der neuen „römischen Leitkultur“. Für das romanisierte Koblenz brach eine ganz neue Zeit an. Die Siedlung wurde Teil eines Weltreichs.
Projekt Stadtgeschichte
